Die Nilgans - Vogel des Monats März 2007 

Viele Vogelarten sind bei uns in den letzten Jahrzehnten verschwunden wie der Wiedehopf, der Wendehals oder die Haubenlerche oder selten geworden wie Ortolan, Rebhuhn oder Heidelerche. Es gibt aber auch Vogelarten, die erst in den letzten Jahrzehnten aufgetaucht sind und eine phantastische Erfolgsgeschichte aufweisen.

So gab es die heute so häufigen Türkentauben vor 1950 in Westfalen nicht und waren Haubentaucher oder Reiherenten lange so gut wie unbekannt. Besonders exotisch wirken natürlich die erstmals 1983 im Zwillbrocker Venn bei Vreden brütenden Flamingos.

Die ebenfalls exotisch anmutenden Halsbandsittiche haben den Sprung in den Kreis Borken zwar noch nicht geschafft, aber riesige Kolonien dieser Papageien gibt es in Düsseldorf oder Köln.

Besonders viele Neozoen (Neubürger) gibt es unter den Entenverwandten. Gerade Entenvögel werden nämlich gerne von Liebhabern gehalten und gezüchtet und immer wieder geraten Gefangenschaftsflüchtlinge in die Natur. Besonders in jüngster Zeit haben es einige Arten geschafft, sich bei uns zu etablieren.

Zu den etablierten Arten ist die Mandarinente aus Japan und China zu zählen oder die Kanadagans, die wie ihr Name verrät aus Nordamerika stammt. Graugänse bevölkern den Unteren Niederrhein und Westfalen wieder reichlich- so viele Graugänse hat es früher nie gegeben. Vereinzelte Schneegänse brüten am Unteren Niederrhein und sind wie die Kanadagänse ursprünglich Nordamerikaner.

Besonders erfolgreiche Einwanderer sind die Nilgänse, die ursprünglich aus Afrika stammen und wie Brandgans und Rostgans, die bei uns ebenfalls als eingebürgert anzusehen sind, zu den Halbgänsen gerechnet werden.

  Erst 1977 wurde das erste Nilganspaar auf der niederländischen Seite des Niederrheins entdeckt, 1986 erfolgte der erste Brutnachweis für den deutschen Teil des Niederrheins, doch schon bis 1995 war die niederrheinische Brutpopulation auf 120-150 Brutpaare angewachsen.

 Heute wird der Bestand an Nilgänsen allein in Nordrhein-Westfalen auf 900 Brutpaare geschätzt.Nilgänse sind bemerkenswert große massige Halbgänse mit auffällig langen rosa Beinen. Sie wirken vor allem gelblichbraun, aus der Nähe erscheint der Kopf oft heller. Von Nahem betrachtet springen auch der Gesichtsfleck, der Halsring und der dunkelbraune Bauchfleck ins Auge.

 Vor allem der Gesichtsfleck wirkt wie eine Maske und gibt der Nilgans ein beinahe banditenhaftes Aussehen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich farblich nicht voneinander, deutliche Gefiedervariationen sind nicht auf das Geschlecht zurückzuführen.

  Gewöhnlich sind die Männchen größer als die Weibchen; zwischen 63 cm und 73 cm können Nilgänse messen und erreichen damit durchaus die Größe kleinerer Blässgänsen wie die Fotos ja auch verdeutlichen.  Metallisch grün und purpurbraun glänzen die Armschwingen und die teilweise rotbraunen Ellbogenfedern lassen die Nilgans doch ein wenig exotisch wirken.

Fliegen Nilgänse dann auf, wissen sie durch ein kontrastreiches schwarzweißes Flügelmuster zu überraschen, dass durch die Kombination aus weißen Decken und schwarzen Schwingen hervorgerufen wird.

Im tropischen Afrika gehören  Nilgänse zu den häufigsten Wasservögeln. Sie sind paarweise oder in kleinen Gruppen  an fast jedem Gewässer anzutreffen. Je nach Klimabereichen haben Nilgänse in Afrika recht unterschiedliche Brutzeiten. So brüten sie z.B. in Südafrika im August und im September, im Senegal vom Juli bis Oktober, in Ägypten vom März bis April. In Kenia brüten Nilgänse ohne besondere jahreszeitliche Schwerpunkte das ganz Jahr hindurch.

 Hier bei uns brüten sie sehr früh im Jahr.  So habe ich im März schon oft junge Nilgänse gesehen- im letzten Jahr auch schon im Februar. Schwerpunkt der Brutzeit bei uns ist aber das Frühjahr vom März bis Mai. Besonders gute Aussichten haben junge Nilgänse am Pröbstingsee in Borken nicht- schnell verschwinden die ersten Küken bereits in ihren ersten Lebenstagen:

 Hechte verschlingen sie im Wasser, auch Ratten, Möwen, Marder, Hunde und Füchse holen sich ihren Anteil am Land. Daneben sind Witterungsbedingungen und menschliche Störungen Ursachen  für hohe Jungensterblichkeit. 5-12 Eier legen Nilgänse; höchstens 40 % der geschlüpften Jungen werden nach 70 Tagen die Flugfähigkeit erreichen.

Auf jeden Fall ist die Jungensterblichkeit hier bei uns mit 50-60 % noch höher als in Afrika, wo sie bei etwa 40-50 % liegt. Dennoch nehmen die Nilgansbestände bei uns immer mehr zu.  Obwohl Nilgänse bereits im 17. und 18. Jahrhundert als Ziergeflügel bei uns gehalten wurden, kam es früher nicht zu einer Ausbreitung der Art im Freiland. Dabei sind Nilgänse sehr flexibel, wenn es um die Wahl des Nistplatzes geht.

 Wie in Afrika brüten sie auch bei uns am Boden, in dichten Gebüschen, in und an Gebäuden, in alten Nestern oder in Höhlen alter und hoher Bäume. Auch in ihrer Ernährung sind Nilgänse wenig anspruchsvoll: Gewöhnlich nehmen sie mit Gräsern vorlieb, auch Getreidefelder werden regelmäßig aufgesucht. In Parks mischen sie sich unter die Stockenten und Lachmöwen und fressen wie diese Brot. Die Chance zur Ausbreitung, die sie allzu gern annahmen, boten ihnen Landwirte, die Mieten anlegten, für Nilgänse eine willkommene Nahrungsquelle, die vor allem auch in Notzeiten Nahrung bietet.