Die Heckenbraunelle- Vogel des Monats Januar 2007

 

 

Unscheinbar ist sie! Von Farbenpracht kann nicht die Rede sein, besonderen Federschmuck hat sie auch nicht. Sie ist nicht langschwänzig wie eine Schwanzmeise, hat keinen Brustfleck wie das Rotkehlchen und ist nicht kontrastreich gefärbt wie die Kohl- oder Blaumeise.

 

 

Auffällige Verhaltensweisen kennt sie auch nicht. Weder macht sie durch schrille Rufe auf sich aufmerksam wie Buntspecht oder Kleiber, noch stelzt sie den Schwanz wie ein Zaunkönig oder ist lebhaft wie dieser. Heckenbraunellen fallen nicht auf, werden nicht wahrgenommen und leben ihr Leben im Verborgenen. Sie verlassen ihre Deckung nur selten, huschen still und heimlich am Boden herum.

 

 

Kein Wunder, dass kaum jemand sie kennt, es sei denn man ist ornithologisch interessiert.

Jetzt im Winter kann man dem spatzengroßen Vögelchen aber begegnen, wenn man nur die Augen aufmacht: weder verbergen Blätter den im Gebüsch sitzenden Vogel noch ist das Gras so hoch, dass die hüpfende Braunelle verborgen bleibt.

 

 

Bald werden die Vögel  bereits ihre Singwarten auf Fichtenzweigen oder in winterkahlen Büschen beziehen und als eine der ersten Vogelarten ihren Gesang ertönen lassen. Auch der ist an sich nicht spektakulär oder besonders laut oder auffällig. Doch da an einem sonnigen Februartag nur wenige Vögel zu hören sind, kann die unscheinbare und unauffällige Heckenbraunelle mit ihrem eilig vorgetragenen, auf und ab gehenden Liedchen mehr punkten als es ihrem Gesang und ihrem bescheidenen Aussehen nach zu vermuten wäre.

 

 

Heckenbraunellen sind zwar unauffällige, aber häufige Vögel. Das ganze Jahr über sind sie bei uns. Der spitze Schnabel weist sie als Insektenfresser aus. Im Winter fressen sie statt Insekten Samen, besonders gern, wenn diese ölhaltig sind. Diese Umstellung in der Nahrungsaufnahme ermöglicht es der Heckenbraunelle, in der kalten Jahreszeit bei uns zu bleiben. Gern besuchen Heckenbraunellen auch die Futterhäuschen, wo sie trotz ihres dünnen Schnabels oft für Spatzenweibchen gehalten werden.

 

 

Ihre Nahrung suchen die Vögel am Boden und in Bodennähe; häufig huschen sie wie Mäuse durch die Hecke. Hedge Sparrow, Heckenspatz, wird die Braunelle im Englischen auch genannt und hecken- und strukturenreiche Gegenden sind auch ideale Lebensräume für diese Vögel.

 

 

Zweimal im Jahr brütet das Weibchen vier bis sechs Eier (einmal fand ich sogar sieben Eier in einem Nest) aus; das Nest wird in dichten Büschen versteckt. Die Buchsbäume in unserem Garten sind immer wieder besonders beliebte Nestverstecke für die Braunellen. Wenn die Jungen geschlüpft sind, werden sie von Männchen und Weibchen gemeinsam gefüttert.

 

 

Und sollte man beim Beobachten vom bequemen Liegestuhl aus den Eindruck haben, dass nicht nur zwei, sondern mehr Vögel an der Fütterung der Jungen beteiligt sind, weil diese das Futter so schnell herbeischaffen wie es für nur zwei Vögel wohl kaum möglich wäre...vielleicht liegt man dann mit seinem Gefühl sogar genau richtig:

 

 

Häufig sind Heckenbraunellen-Weibchen nämlich mit mehreren Männchen verheiratet, die alle glauben, Väter der heranwachsenden Jungen zu sein und deshalb unermüdlich Nahrung für ihre vermeintlichen oder wirklichen Jungen herbeischaffen.

 

 

Dass Vogelweibchen mehrere Männchen haben, also Vielmännerei betreiben, ist im Vogelreich selten. Diese Besonderheit ist für die Heckenbraunelle aber sehr praktisch- bekommt sie doch so ihre Jungen besser satt und kann sie sich ein größeres Gelege leisten!

 

   

Auch wenn sie zu den unscheinbarsten und am wenigsten auffälligen Vögeln unserer Heimat gehört, es gibt dennoch einen Roman, der gerade am Beispiel einer Heckenbraunelle den großen Überlebenskampf in der Natur schildert, eine wunderschöne literarische Naturdarstellung mit dem Titel „Im Herzen des Tals“ von Nigel Hinton (im englischen Original: The Heart of the Valley). 

 

 

Eines ist sicher: Faszinierend ist diese heimlich lebende Vogelart auf alle Fälle und wie die Fotos zeigen aus der Nähe auch durchaus attraktiv und betrachtenswert.