Der Bienenfresser- Tier des Monats Mai 2006

 

Einen sonnigen Start legt der Monat Mai in diesem Jahr hin - wie geschaffen für den Bienenfresser, einen exotisch anmutenden Vogel, der Sonne und Wärme liebt.

Viele Menschen werden ihn auf Urlaubsreisen in Spanien, in der Türkei oder in Griechenland schon bestaunt haben, aber dass dieser bunte Vogel auch bei uns in Deutschland brütet, überrascht die meisten dann doch.

Der Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau  z.B. ist Brutgebiet für diesen herrlich bunten Kerl und gar nicht einmal wenige der zur Familie der Spinte zählenden Vögel graben ihre Brutröhren in die Lößwände der Hohlwege und in die Weinbergsböschungen.

Als ich mich bei einem Einheimischen in Oberbergen im Kaiserstuhl mal nach dem Vorkommen der Vögel erkundigte, meinte dieser, dass die Vögel viel zu häufig seien und dass man endlich eingreifen müsse. Zweimal schaute ich dem Mann ins Gesicht, um dann tatsächlich zu begreifen, dass der Mann seinen Ausspruch ernst nahm.

Der Bienenfresser als Schadvogel, der seinem wenig freundlichen Namen alle Ehre macht, darauf war ich noch gar nicht gekommen! Aber so sind wir Menschen: Fischzüchter fordern feuerfrei nicht nur auf den Kormoran, sondern auch auf den Fischadler, wenn er denn wieder auftaucht, Taubenzüchter haben es allzu oft auf den Habicht abgesehen, in Kirsch- und Weintraubenregionen sind Stare die „Bösen“ und in den Alpen würden viele zu gerne wieder auf den Steinadler anlegen.

Naturschützer und Biologen haben es schließlich gar nicht mit den Neubürgern in der Vogelwelt wie Nil- oder Rostgans oder den Halsbandsittichen, die angeblich (oder auch tatsächlich) den einheimischen Arten Nachteile bringen. Und von Vögeln wie Elster, Rabenkrähe, Eichelhäher, Ringeltaube, Amsel oder Spatz möchte ich hier gar nicht mal sprechen.

Aber zurück zu den fliegenden Edelsteinen (obwohl dieser Begriff  ja eigentlich für den kaum minder schönen Eisvogel reserviert ist): Ausgestorben waren die bunten Vögel bei uns, doch in den 80/90er-Jahren legten sie ein erstaunliches Comeback hin.

 

 

Nicht nur einzelne Vögel erschienen an trockenen und warmen Orten Deutschlands wie eben am Kaiserstuhl oder in Sachsen-Anhalt, gleich zu Dutzenden brüteten die Vögel wieder. Mittlerweile dürften in ganz Deutschland bereits einige hundert Paare brüten- Tendenz weiter steigend.

 

 

Offensichtlich ist das Klima günstiger geworden für den farbenprächtigsten Vogel Europas. Jedenfalls ist der Bienenfresser dabei, sein Areal immer weiter nach Norden auszudehnen.

 

 

Zwar gab es  schon einmal ein plötzliches Anwachsen der Bestände und zwar im Jahr 1964, als der Bienenfresser im Norden auftauchte und sich vorübergehend sogar in Schleswig-Holstein und in den Niederlanden ansiedelte. Aber damals war das Auftauchen des Bienenfressers wohl eher auf eine große Invasion als auf eine dauerhafte Arealerweiterung zurückzuführen.

 

 

So bringt die vermutete Klimaerwärmung also auch Gutes, wenn man nicht gerade Imker ist oder aus anderen Gründen die Vögel nicht mag.

 

 

Jetzt im Mai kehren die Bienenfresser aus ihren Winterquartieren zurück. Als Langstreckenzieher verbringen sie das Winterhalbjahr in den Savannen vom Senegal bis Ghana und in Ostafrika, wo sie außerhalb der Regenwaldgebiete verbreitet sind.

 

 

Nicht lange bleiben Bienenfresser bei uns: schon ab Mitte Juli bilden sich Trupps, die herumstreifen und von Mitte August an beginnt bereits der Wegzug, der Ende September abgeschlossen ist.

 

 

Doch bis dahin kann man den Flugkünstlern beim Insektenfang zuschauen oder bei ihren lebhaften Balzritualen. Da es offensichtlich mehr Männchen als Weibchen in den Kolonien gibt, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten der Männchen untereinander.

 

 

So konnte ich immer wieder beobachten, dass ein Männchen ein anderes, das seiner Auserwählten immer wieder eine Biene überreichte, erbittert attackierte und verjagte um selbst beim Überreichen seines Hochzeitsgeschenkes vom Nebenbuhler angegriffen und verjagt zu werden.

 

 

Wenig beeindruckt vom ganzen Theater nahm Sie die überreichten Bienen jedoch gnädig von beiden Männchen an. 

Bienen sind anscheinend wirklich eine bevorzugte Beute dieser Vögel, doch auch Wespen, Hornissen, Maikäfer und andere Käfer oder Libellen sind eine gern genommene Beute.

 

 

Bedenkt man, dass Bienenfresser auch viele Bremsen erbeuten, die uns wiederum gewaltig auf die Nerven gehen, seien ihnen die  Honigbienen gegönnt. Hornissen und andere giftige Beutetiere werden zuerst entstachelt und manchmal kann man auch beobachten, dass diese Tiere mit dem Körperende kräftig gegen einen Zweig gerieben werden, um das Gift abzuwischen. Viele ungiftige Insekten werden daneben im Flug auch einfach verschluckt.

 

 

Übrigens geht es nicht nur lebhaft, sondern auch laut in der Bienenfresserkolonie zu. Die Vögel sind sehr ruffreudig und tragen ihre variablen Rufreihern im Flug und im Sitzen vor. Während der Balz gibt es auch richtige Rufduette.