Tier des Monats Januar 2006 - die Graugans

 

Der Winter ist für mich die Zeit der Gänse und der besonderen Naturerlebnisse. Der nahe Niederrhein lockt und in weniger als einer halben Stunde bin ich in der Dingdener Heide. Tausende von Gänsen sammeln sich dort häufig  und ihre Rufe erfüllen die Luft. Sind die Gänse jedoch einmal nicht anwesend, ist es nicht weit bis Bislich, Rees und Emmerich – fündig wird man auf der Suche nach den arktischen Gänsen immer.

 

 

Eine Gans aber ist bei uns nicht nur Wintergast, sondern ein mittlerweile wieder häufiger und auffallender Brutvogel: Anser anser, die Graugans. Um sie zu beobachten, muss man meistens gar nicht weit fahren, der Pröbsting- See in Hoxfeld z.B. beherbergt eine ganz schön ansehnliche Population.

 

 

Graugänse sind große Gänse, sie werden 75 cm bis 90 cm lang. 3 bis 4 kg können sie wiegen. Zwei unterschiedliche Rassen gibt es. Unsere heimische Rasse, die westeuropäische Anser anser, hat einen dicken orangefarbenen Schnabel, der ein wenig an eine Mohrrübe erinnert. Keine arktische Gans wird so groß wie unsere Graugans; ähnlich groß ist nur die Saatgans, die aber einen zweifarbigen Schnabel hat.

 

 

Hier am Pröbsting- See kann man den Gänsen zuschauen, wenn sie auf dem See landen oder Anlauf nehmen, um abzuheben. Nach einer kurzen Runde um den See herum tauchen sie meistens schon wieder auf, um geräuschvoll auf dem Wasser zu landen.

 

 

Herrlich, wenn sie auf dem Eis landen und sichtlich Mühe haben, zum Stehen zu kommen und nach vorne und zur Seite wegrutschen! Auch beim Fressen lassen sie sich ganz aus der Nähe beobachten.

 

 

Gras enthält nur wenig Nährstoffe und wenig Verwertbares. So müssen die Vögel  beinahe ununterbrochen äsen, um überhaupt satt zu werden.

 

 

Die vielen Hunde hier im Gebiet beunruhigen sie, den Menschen dagegen beachten sie kaum. Offensichtlich haben die Vögel Jäger noch nicht kennen gelernt oder sie sind in der Lage, harmlose Spaziergänger und Fotografen von Jägern mit ihren Gewehren zu unterscheiden.

 

 

Viel vorsichtiger als die Graugänse sind da die Nilgänse, die auch am See anwesend sind. Richte ich mein Teleobjektiv auf sie, erheben sie sich schon schimpfend in die Lüfte. 

 

 

Vor wenigen Jahren war das noch ganz anders, man konnte sich ihnen damals bis auf zwei oder drei Schritte nähern. Sie scheinen aber negative Erfahrungen gemacht zu haben.

 

 

Graugänse waren in unseren Breiten völlig ausgestorben. Seit vielleicht zehn, möglicherweise auch schon zwanzig Jahren sieht man sie wieder. Dutzende von ihnen sind heute an einem kalten und sonnigen Januartag am See.

 

 

Im Frühling führen die Gänse ihre Jungen, manchmal schwimmen 7 oder 8 Paare gleichzeitig mit einem runden Dutzend Küken über den See, vorneweg die Mutter, hintenan der Vater. Jäger haben diese Idylle wieder möglich gemacht- sie wilderten die ersten Gänse aus.

 

 

Dass das Leben der Gänse aber durchaus nicht nur idyllisch ist, ahnt man, wenn man die Kükenschar kleiner werden sieht. Sind es zuerst vielleicht noch 14 Küken, führen die Eltern bald nur noch 7 oder gar 5 Junge.

 

 

Es scheint genügend Feinde zu geben, die verhindern, dass die Gänse zu zahlreich werden. Ob die Gefahr im Wasser lauert (Hechte), aus der Luft herab schießt (Silbermöwen oder Krähen) oder von der Erde droht (Ratten, Füchse, Hunde und Marder) entzieht sich meiner Kenntnis.

 

 

Doch es bleiben genug Graugänse über, um den Bestand weiter wachsen zu lassen.

Doch an diesem Wintertag genieße ich einfach das Treiben der Gänse, ihre gekonnten Flugmanöver, ihre tollpatschig wirkenden Landungen und ihre lautstarken Starts.

 

 

Überhaupt sind die Gänse heute recht ruffreudig, ganz still ist es nie.

 

 

Die Graugänse  hier ziehen im Herbst nicht mehr weg; sie bleiben auch in kalten Wintern in ihrer Brutheimat und verzichten auf den Trip ans Mittelmeer, nach Spanien oder nach Nordafrika.

 

 

Das unterscheidet diese Gänsegenerationen von früheren, die noch Zugvögel waren. So stoßen sie bisweilen nicht nur auf die bei uns überwinternden arktischen Bläss- und Saatgänse, sondern auch auf Graugänse, die in Island oder in Osteuropa brüten und manchmal bis in unsere Breiten verschlagen werden.