Tier des Monats Februar 2006- der Buntspecht

 

Der Winter hat auch seine Vorteile. Es gibt Chancen zur Natur- und Vogelbeobachtung wie sonst kaum. Hungrige Vögel finden sich an den Futterstellen ein und verlieren ihre Scheu.

 

 

 Nun kann man auch den Buntspecht ganz aus der Nähe betrachten, der es den Meisen gleichtut und an die aufgehängten Knödel und Nüsse geht. Sehr zum Ärger der kleineren Meisen, die sich nun woanders Futter suchen oder von den herunterfallenden Resten zehren müssen.

 

 

Anfänglich waren die beiden Buntspechte, die jetzt täglich vorbeischauen, noch scheu und vorsichtig. Selbst im Tarnzelt musste ich mich ruhig verhalten, um von ihnen das ein oder andere Foto machen zu können.

 

 

Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass die Beiden ihr Futter einklagen, wenn sie hier auf die Fensterbank fliegen wie die Blaumeisen und dabei auch noch Lärm machen. Anscheinend kriegen sie sehr wohl mit, wer ihnen das Futter zur Verfügung stellt.

 

 

Männchen und Weibchen lassen sich recht einfach unterscheiden. Im Unterschied zum Männchen hat das Weibchen keinen roten Genickfleck.

 

 

Aber viel miteinander zu tun haben die beiden Spechte nicht. Weibchen und Männchen nehmen keine Notiz voneinander und halten keinen Kontakt zueinander. Buntspechtpaare führen eine Saisonehe.

 

 

Mitte bis Ende März, etwa vier bis sechs Wochen vor Brutbeginn, beziehen sie ihre Reviere. Im April zimmert das Männchen eine Höhle in einen meistens kranken Baum. Mindestens zwei Wochen benötigt es für seine aufwändige Arbeit, er kann aber auch bis zu vier Wochen lang beschäftigt sein.

 

 

Nach der Paarung legt das Weibchen 4-7 Eier in die Höhle und brütet diese abwechselnd mit seinem Brutzeitpartner aus. Das Männchen brütet sogar mehr als das Weibchen und sitzt nachts auf den Eiern. Nach 10-13 Tagen ist es soweit und die Jungen schlüpfen.

 

 

12 Tage lang werden die Jungen fast ständig gehudert und bis zwei Tage vor dem Ausfliegen noch immer recht regelmäßig; auch beim Hudern wechseln sich die Eltern ab, nur nachts bleibt das Männchen allein. Wenn die Jungen 18 oder 19 Tage alt sind, erscheinen sie am Einflugloch.

 

 

Einige Tage später fliegen sie dann aus; danach betteln sie noch um Futter, sie kehren aber auch zur Übernachtung meist nicht in die Höhle zurück, sondern schlafen auf Stämmen. Noch etwa zehn Tage kümmern sich die Eltern um ihre Jungen.

 

 

Mit Erlöschen der Fürsorge und Beenden der Brutperiode geht auch die Ehe der Buntspechte zu Ende.  Die beiden Vögel bleiben aber in ihren Brutgebiet. Rund 40-60 Hektar groß ist der Aktionsraum eines Paares, in optimalen Gebieten wie z.B. Parks und großen Gärten mit alten Bäumen können die Reviere auch viel kleiner sein.

 

 

Mag sein, dass sich hier an der Futterstelle die Brutpartner des vergangenen Jahres treffen. Mag auch sein, dass sie aus Treue zu ihrem Revier wieder gemeinsam im Frühjahr eine Brut durchführen werden. So können Partner oft jahrelang hintereinander immer wieder miteinander brüten. Ihre Treue entsteht aber aus ihrer Verbundenheit mit dem Revier.

 

 

Alle Spechte sind Jahresvögel; d.h. sie ziehen nicht im Herbst in wärmere Regionen. Müssen sie auch nicht, verfügen sie doch in ihrem Schnabel über ein Werkzeug, das ihnen auch in unwirtlichen Tagen ein Überleben sichert. Mit dem Schnabel können Buntspechte selbst Walnüsse recht flott aufhämmern.

 

 

Dazu fliegen sie mit der Nuss zu ihrer „Schmiede“.  Die „Schmiede“ ist eine richtige Furche, die die Spechte in einen Ast hineinzimmern und die sie dann wie eine Werkbank nutzen, in die außer Nüsse auch Zapfen von Nadelbäumen einklemmen.

 

 

Jedes Mal, wenn der Buntspecht mit einem neuen Zapfen angeflogen kommt, fliegt der alte Zapfen aus der „Schmiede“ heraus. Hunderte von alten Fichtenzapfen kann man manchmal unter einem einzigen Baum finden und man weiß sofort, wo der Buntspecht seine „Schmiede“ hat.

 

 

Der Buntspecht kann mit seinem harten Schnabel auch im Winter nach im Holz lebenden Käferlarven hämmern, doch wird im Herbst aufgrund der leichteren Verfügbarkeit der Anteil an pflanzlicher Nahrung, die er zu sich nimmt, größer. Neben Wal- und Haselnüssen sind es vor allem die Samen der Nadelhölzer, die er jetzt frisst.

 

 

Aber Rindertalg und andere Fette aus der Winterfütterung weiß er auch sehr zu schätzen und warum sich anstrengen, wenn man auch ohne Anstrengung satt wird? Die Winterfütterung braucht der Buntspecht eigentlich nicht- aber er ist natürlich ein gern gesehener Gast im Garten.

 

 

Da sind ihm auch seine Übergriffe aus dem Frühjahr verziehen, als er den Nachwuchs der Blaumeisen als nahrhafte Leckerbissen betrachtete und nach und nach verschlang. Mit seinem starken Schnabel hatte er zuvor den Eingang der von den Meisen bezogenen Höhle im abgestorbenen Obstbaum vergrößert.