Tier des Monats April 2006 - der Gänsegeier 

Papageientaucher und Geier- diese beiden Vogelarten standen auf meiner Wunschliste der Arten, die ich noch unbedingt einmal sehen wollte, ganz oben.  Nach einem langen Winter mit kühlen Temperaturen zog es mich eher in den Süden als nach Norwegen oder Island, wo Papageientaucher noch recht einfach zu finden sind.

 

 

In Spanien leben auch heute noch zahlreiche Geier. Der größte von ihnen ist der Mönchsgeier mit einem Gewicht von bis zu 12,5 kg und einer Flügelspannweite von fast 3 m.

 

 

Mit einem Gewicht von 6-11 kg, einer Größe von 95-105 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 2,80 m steht der Gänsegeier dem Mönchsgeier in Gewicht und Größe kaum nach. Deutlich kleiner ist da der Schmutzgeier, eine dritte Art, die ich von Spanien erwartete, mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,80m.

 

 

Eigentlich war ich mir sicher, alle Geier zu finden: Von den 19.000-21.000 europäischen Brutpaaren des Gänsegeiers leben rund 18.000 allein in Spanien und auch der europäische Gesamtbestand des Mönchsgeiers konzentriert sich weitgehend auf Spanien (1400 der etwa 1800-1900 europäischen Paare).

 

 

Im Naturpark Monfragüe in Zentralspanien kommt eine noch recht ansehnliche Population dieser Geierarten vor.

 

 

Und sollte ich die Geier nicht finden...sicher würden sie mich finden, wenn ich nach stundenlangen Beobachtungsgängen mit schwerster Fotoausrüstung wankend, kriechend, keuchend und torkelnd für sie von immer größerem Interesse würde.

 

 

In Spanien bekam ich dann schon bald Geier zu sehen. Über den Pyrenäen kreisten dunkle mächtige Vögel: die ersten Mönchsgeier!

 

 

Den ersten Gänsegeier sah ich dann wenig romantisch (aber für Romantik sind Geier eh´ nicht zuständig) auf einem Strommast unweit von Trujillo.

 

 

Die große Gänsegeier-Kolonie im Monfragüe Naturpark ist natürlich ein Anziehungspunkt für Touristen. Sie lässt sich gut von einem Parkplatz aus einsehen und ist Treffpunkt von Ornithologen aus aller Welt. Vor allem Engländer versammeln sich dort zu Dutzenden.

 

 

Doch wenn man früh genug ist, ist man allein unter Geiern und hat den Vorteil, zudem noch ausgezeichnetes Licht zum Beobachten und Fotografieren zu haben. Mindestens hundert Gänsegeier-Brutpaare sitzen in den Felsen und lassen sich - wenn auch aus recht großer Entfernung - beim Brüten beobachten.

 

 

Von den Felsen aus schwärmen sie bei beginnender Erwärmung in die Umgebung aus und nutzen die für sie optimale Thermik. Die Flügel werden langsam und tief durchgeschlagen, der Ruderflug ist alles andere als schwerfällig.

 

 

Aus dem Segel- und Gleitflug wird die Umgebung abgesucht- selbst aus einer Höhe von über 3000 m können die Gänsegeier dabei noch größere Kadaver erkennen.

 

 

Jede Gänsegeier-Kolonie hat einen Aktionsradius von etwa 60 km- man kann die Geier also auch in größerer Entfernung zur Kolonie entdecken und häufig tauchten sie auf, während ich in anderen Lebensräumen Trappen, Lerchen, Wiedehopfe oder Bienenfresser bestaunte.

 

 

Oft war ich überrascht, wie plötzlich und unverhofft sich die Vögel einstellten, erst einer, dann zwei, drei und schließlich Dutzende.

 

 

Genauso schnell wie sie bei ihren Suchflügen auftauchten, verschwanden sie dann auch wieder- erstaunlich wie rasch diese Großvögel auch weite Distanzen überbrücken.

 

 

Zurück zu den Felsen des Monfragüe Parks: von einer Straßenkehre aus sehe ich einen Vogel, der in einer Felswand sitzt und ein ausgedehntes Sonnenbad nimmt.

 

 

Zum Glück habe ich die Chance, hier anzuhalten (an Spaniens Straßen oft überhaupt nicht möglich) und ihn mit dem Fernglas und Fotoapparat ins Visier zu nehmen.

 

 

Deutlich sehe ich den kräftigen Schnabel, mit dem Gänsegeier auch die ledrige Haut von Großtieren aufreißen können, um dann vor allem das Muskelfleisch zu fressen.

 

 

Deutlich erkenne ich auch den langen Hals, der dem Geier das für uns so unappetitliche Eindringen durch natürliche Körperöffnungen der toten Beute ermöglicht.

 

 

Um den langen Hals stehen kurze Federchen. Diese lassen sich beim anschließenden Bad leichter von Blut und Eingeweideresten reinigen als das übrige Gefieder.

 

 

Der Gänsegeier im Fels über mir fühlt sich durch mich  überhaupt nicht gestört und verlässt seinen Sonnenplatz erst, als sich Schatten  über ihn senkt.

 

 

Obwohl ich darauf gewartet habe und darauf eingestellt bin, überrascht mich sein kraftvoller Abflug dann doch und leider gelingt mir nur eine Aufnahme, bevor der Gänsegeier in den Felsen verschwunden ist.