Tier des Monats September 2005: Der Admiral

 

Der September ist Schmetterlingsmonat; besonders wenn- wie in diesem Jahr- der Sommer alle Register seines Könnens zieht und sich die Sonne von ihrer besten Seite zeigt. Tagpfauenaugen, Kleine Füchse, Zitronenfalter, Kohlweißlinge zeigen sich jetzt, doch weitaus zahlreicher sind derzeit in meinem Garten die Admirale.

 

 

An den spätblühenden Pflanzen sind sie zu finden, an Dost und Goldrute, an Sonnenblumen und ganz besonders an der Buddleia, die nicht umsonst Schmetterlingsstrauch heißt, Froh bin ich, dass ich vor einigen Jahren eine Buddleia gepflanzt habe, geradezu magisch zieht sie vor allem den herrlichen Admiral an.

 

 

Jeder weiß, dass es unter den Vogelarten Zugvögel gibt, die uns im späteren Sommer und im Herbst verlassen. Viel weniger bekannt ist, dass auch unter den Schmetterlingen Arten gibt, die ziehen. Solche „Zugvögel“ unter den Schmetterlingen sind Admirale.

 

 

Wie Gammafalter oder Distelfalter, den ich in diesem Jahr im Garten noch gar nicht gesehen habe, der in den Jahren davor aber überaus häufig war oder das kolibriähnliche Taubenschwänzchen, das in den letzten Jahren von sich reden machte (Tier des Monats Juni 2004), ist der Admiral ein Wanderfalter.

 

 

Admirale wandern aus dem Mittelmeerraum im Frühjahr mit den ersten Warmfronten gen Norden. Die Strömung warmer Luftmassen von Südwest nach Nordost bietet ihnen ideale Bedingungen für diese Zugrichtung.

 

 

Wenn die ersten Admirale also im Juni in unseren Gärten zu sehen sind, haben sie bereits einen weiten Weg hinter sich, der sie sogar über Alpenpässe geführt hat.

 

 

Schnell und zielgerichtet wandern Admirale, gleich nach einer Zwischenrast auf einer Blüte entschwinden sie wieder und ziehen in derselben Zugrichtung weiter. So zart wie die Tiere auch aussehen, sie sind doch dazu in der Lage selbst bei stärkerem Gegenwind zu ziehen und Hindernisse wie Bäume, Sträucher oder Häuser zu überfliegen.

 

 

Selbst bei Windstärke 4 fliegen sie noch gegen den Wind, Seitenwinden können sie bis Stärke 6 trotzen. Weil der Falter auf meist sehr breiter Front und in einem sehr langen Zeitraum zieht und nicht wie die Weißlinge große Schwärme bildet, fällt die Wanderung kaum auf. Auch wenn sie Gegenwinde beherrschen können, nutzen Admirale wie andere Tagfalter auch gern Winde zur Flugunterstützung..

 

 

Die bei uns eingetroffenen Admirale wandern im Herbst nicht wieder zurück in den Mittelmeerraum, denn jede Generation wandert nur einmal. Admirale haben von Frühsommer bis Herbst in unserem gemäßigten Klima ideale Bedingungen und optimale Blütenweiden.

 

 

Ihre Nachkommen saugen bis in den Herbst hinein unter Pflaumen- und Birnbäumen am Fallobst und ziehen dann  bei dauerhaften Hochdruckgebieten zurück in die Heimat ihrer Elterngeneration.

 

 

Den mitteleuropäischen Winter können Admirale im Allgemeinen nicht überleben, nur in besonders warmen Wintern haben sie eine Chance. Auslöser für das Zugverhalten der Admirale mögen wohl die sinkenden Temperaturen im mitteleuropäischen Herbst sein und im nordafrikanischem Frühling die zunehmende Trockenheit und Hitze.

 

 

Der Zug bringt Distelfaltern und Admiralen den Vorteil, die Vegetationszeiten optimal zu nutzen. Während aber nicht alle Schmetterlingspopulationen nach Norden wandern, zieht es sämtliche Distelfalter und Admirale zurück nach Süden.

 

 

Den Aufbruch der anderen Wanderfalterart, des Distelfalters, konnte der große Schmetterlingsforscher Adalbert Seitz einmal als Augenzeuge miterleben: „In Nordafrika lag ich einmal in den Morgenstunden an den Ufern des Mittelmeers. Die schräg ansteigende, vollständig verdorrte Halde war dicht besetzt mit dürren Distelbüschen.

 

 

An jedem Busch hingen Puppen von Distelfaltern, die alle schlüpfreif waren. Nach kurzer Zeit, etwa einer halben Stunde, öffneten sich die Puppen und die Falter schlüpften, nach einer weiteren Stunde waren alle ausgewachsen und kurz darauf, wie auf Kommando, erhob sich die große Schar und flog wie eine Wolke über das Mittelmeer.“

 

 

Es wird nicht vielen von uns vergönnt sein, ein solches Naturwunder wie Seitz beobachten zu können, an den kleinen Naturwundern, den bunten Admiralen, können wir uns aber noch den ganzen Herbst hindurch ergötzen. Selbst im November harren noch manche von ihnen bei uns aus, bevor sie dann den Rückzug schaffen oder erfrieren.

 

 

 Literatur: Blab, Josef u.a.: Aktion Schmetterling, Ravensburg.

 

 

Weitere Infos im Naturlexikon:

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00002/MZ00002.html

 

 

 

 

 

 

 

Admiral - ein leben geht zu Ende

 

 

Weitere Infos im Naturlexikon:

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00002/MZ00002.html