Tier des Monats November: Dülmener Wildpferde

 

Seit Urzeiten waren die Brüche Westfalens ein idealer Zufluchtsort für´s Wild. Das gilt auch für die Wildpferde, die bis ins Mittelalter hinein als Jagdwild galten.

 

 

Im Jahre 1316 sicherte sich der Herr von Merfeld das Recht an den wilden Pferden im Merfelder Bruch; das Recht zur Jagd und Fischerei hatte er schon zuvor inne. Im Jahre 1840 wurde der Merfelder Bruch geteilt.

 

 

Grund war das Gesetz zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Betriebe. Dem Herzog von Croy fielen dabei rund 1900 Morgen zu. Diese Fläche wurde im Laufe der Zeit auf mittlerweile rund 3000 Morgen erweitert.

 

 

Inmitten dieses Besitzes liegt die eigentlich Wildbahn, die etwa 350 Hektar umfasst und in der derzeit rund 350 Pferde leben. Diese Pferde werden Dülmener oder Merfelder Wildpferde genannt, im zoologischen Sinne sind es aber keine reinen Wildpferde, da sie sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mit verwilderten Hauspferden vermischt haben.

 

 

 

Doch stehen die Dülmener Wildpferde den Wildpferden schon sehr nahe, denn sie sind einer sehr harten Auslese durch die Natur unterworfen. Im Gegensatz zu unseren Hauspferden haben sie keinen Stall und sie erhalten auch nur im Winter soviel zusätzliches Heu, dass sie gerade über die Runden kommen.

 

 

Das Trinkwasser für die Pferde wurde 150 Jahre lang allein durch den Tränkegraben, der das Wasser aus dem westlichen Teil der Wildbahn und aus dem nördlichen Niederungen

sammelte, gesichert.

 

 

Durch die Kultivierung der Landschaft reicht die natürliche Wasserversorgung in Sommermonaten heute leider nicht mehr aus, weshalb Windpumpenanlagen im Gebiet eingerichtet wurden.

 

 

Besonders schwer haben es die Pferde im Februar und März, wenn ihnen die feuchte Kälte zu schaffen macht.

 

 

Durch diese extensive Haltung, die „Primitivhaltung“ genannt wird, ist wertvolles Erbgut aus der Wildpferdezeit erhalten geblieben, vor allem seit man erkannt hat, dass die besondere Eigenart dieser Pferde am besten dadurch erhalten bleibt, dass man möglichst keine fremden Erbanlagen durch Einsatz von Hengsten anderer Rassen einbringt.

 

 

 

Vor rund 40 Jahren begann man damit, polnische Konikhengste in die Herde zur Zucht einzusetzen. Konikpferde sind eine Pferderasse, die aus einem ähnlichen Lebensraum stammt wie sie der Merfelder Bruch darstellt.

 

 

Heute werden die Söhne dieser Konikhengste aus Dülmener Stuten eingesetzt, die optimale Voraussetzungen für den Fortbestand der Herde besitzen.

 

 

Klar erkennbar sind aber heute noch mehrere Pferdetypen in der Herde. So gibt es mausgraue-falbe Pferde, die auf den ausgestorbenen Tarpan zurückgehen. Diese Farbe dominiert in Merfeld.

 

 

Auch gelblich-falbe Stuten gibt es, die dem Przewalski –Wildpferd ähneln, das nur in Zoos überlebt hat. Schwarzbraune Pferde mit Mehlmaul sind auch vereinzelt in der Herde zu entdecken. Diese Pferde haben einen gedrungenen, kräftigen Körperbau und stammen von Englischen Exmoor-Hengsten ab.

 

 

Diese Primitivpferde tragen einen Aalstrich, der von der Mähne bis zum Schweif reicht. Einige Pferde haben auch noch Querstreifen an den Beinen, die als Zeichen ihrer primitiven Herkunft zu sehen sind.

 

Ganz wunderbar kann man im Merfelder Bruch das Verhalten der Tiere studieren. Man darf nicht damit rechnen, dass man schon von Weitem das Trampeln der galoppierenden Herde hören kann wie man es aus diversen Cowboy- und Indianer-Filmen kennt. Denn Wildpferde galoppieren eigentlich nur, wenn sie in Panik geraten und flüchten wollen.

 

 

Feinde haben die Dülmener Wildpferde keine, Wolfsrudel wurden schon lange keine mehr gesichtet! Im Allgemeinen sind die Pferde mit Grasen beschäftigt und damit haben sie auch gut zu tun, denn sie haben nur einen kleinen Magen, der nur über rund 20 Liter Volumen verfügt. Gewöhnlich ruhen die Tiere im Stehen.

 

 

Allerdings legen sich die Fohlen für einen Tiefschlaf hin. Immer wachen einige Tiere aufmerksam, um die Herde bei Gefahr zu warnen.

 

 

Im Sommer macht den Dülmener Wildpferden oft die Hitze zu schaffen, die Bremsen und andere Insektenplagen mit sich bringt. Dann stehen die Pferde dichtgedrängt in der Herde zusammen, an einer möglichst windigen Stelle im Gelände.

 

 

Schweifwedelnd versuchen sie sich die Fliegen fern zu halten. Bei Regen suchen die Pferde im Wald Schutz, den sie ansonsten eher meiden, denn als Steppentiere sind Pferde Fluchttiere, die offenes Gelände vorziehen. Die Wildpferd im Bruch haben ausgetretene Wechsel, auf denen sie bei Ortswechsel ziehen.

 

 

Mit viel Glück kann man im Frühjahr beobachten wie eine Stute fohlt. Das geht innerhalb weniger Minuten. Ältere Stuten bleiben bei der Mutterstute und sichern instinktiv Mutter und Fohlen vor Feinden.

 

 

Immer wieder kann man beobachten wie sich die Stuten gegenseitig beknabbern. Meistens sind es ranggleiche Tiere, die sich diesen Liebesdienst, der der Fellpflege dient, erweisen. Schön ist es auch, den lebhaften Fohlen bei ihren Spielen zuzuschauen.

 

 

Weit über die Grenzen Westfalens hinaus bekannt ist der alljährlich stattfindende Wildpferdefang, der im Jahr 2005 am 28. Mai stattfindet. Viele Tausend Besucher kommen dann nach Merfeld, um dabei zu sein, wenn die einjährigen Hengste per Hand und ohne Hilfsmittel aus der Herde herausgefangen und anschließend versteigert werden. Wer dabei sein will, muss sich aber spurten, denn die Karten sind schnell ausverkauft.

 

Weitere Infos auch im Naturlexikon: http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/002/00171-Wildpferd/HWG00172-Wildpferd.html

und Infos unter www.wildperde.de (mit Kartenvorverkauf).