Tier des Monats Januar 05: Die Silbermöwe

 

 

Ein riesiger Schwarm von Möwen bevölkert die Wiese, die sich neben der Müllkippe in Borken-Hoxfeld zur Bocholter Aa hin erstreckt. Eingestreut im riesigen Schwarm sind einige Krähen und Dohlen.

Die Auffahrt zur Wiese eignet sich bestens als Halteplatz, um die Möwenansammlung vom Auto aus mit dem Fernglas genauer zu betrachten. Keinerlei Fluchtreaktion wird bei den dicht nebeneinander hockenden Vögeln ausgelöst, denn sie kennen das Feindschema Auto nicht. Bei den heute herrschenden optimalen Lichtverhältnissen lassen sich leicht mehrere Möwenarten unterscheiden.

Die Masse der Vögel stellt die Lachmöwe, die jetzt ihr Schlichtkleid trägt. Die Lachmöwe, im Brutkleid an ihrer schokoladenbraunen Kapuze kenntlich , ist die typische Möwe des Binnenlandes, die schon seit vielen Jahrzehnten in Westfalen in großen Kolonien vorkommt.

 Weniger zahlreich sind die rundköpfigen Sturmmöwen, die sich auch in der Beinfarbe von der Lachmöwe unterscheiden und die Heringsmöwe, die schwarze Flügeldecken hat, auszumachen.

Eine Gruppe von Möwen hebt sich durch ihre imponierende Größe deutlich von den anderen Möwen ab. Es sind Silbermöwen, die den meisten Menschen von der Küste her vertraut sind.

 Einige von ihnen sind nicht silbern, sondern bräunlich gefärbt; es sind Silbermöwen im Jugendkleid. Lange galten Silbermöwen in Mitteleuropa als reine Küstenbewohner und erst seit den 60er Jahren dringt die Silbermöwe ins Binnenland vor, wobei sie sich an Flüssen und Mülldeponiestandorten orientiert. Im Westfälischen Flachland und im Osnabrücker Raum liegt ein Schwerpunkt der winterlichen Verbreitung der Silbermöwe, von denen man immerhin 15.000 – 20.000 Exemplare feststellte als Ergebnis dreijähriger Synchronzählungen.

Lokal brüten Silbermöwen schon im Binnenland, allerdings noch in kleiner Zahl. Die einzig nennenswerte Nahrungsquelle im Winter sind Mülldeponien, an denen man die Vögel auch entsprechend häufig antrifft. Manchmal folgen Silbermöwen wie die kleineren Möwenarten auch dem Pflug, um Regenwürmer und Mäuse aufzulesen. Geschlafen wird an größeren Gewässern in der Umgebung. Nur in Münster schlafen die Vögel auch auf Flachdächern.

Bei Frost und Eis verlassen die Möwen unsere Gegend recht früh wieder, um Richtung Norden oder Richtung See zu  fliegen.

 

Silbermöwen sind im Brutkleid weiß mit einem zart blaugrauen Mantel. Die Altvögel ähneln den Sturmmöwen, sie unterscheiden sich aber von ihnen durch ihre bedeutendere Größe, die langsameren Flügelschläge, die gelben Augen und den leuchtend gelben klobigen Schnabel mit dem roten Fleck.

Im Flug kann man Silbermöwen von alten Mantel- und Heringsmöwen von unten durch das fehlende graue Band am Hinterrand des Handflügels unterscheiden.

 Die Silbermöwe hat blassrosa Beine, ihr Lidring ist gelb. Silbermöwen kreisen oft in lockeren Trupps in großer Höhe und ziehen auch in V- Formationen zu Nahrungs- und Schlafplätzen. Schiffen folgen Silbermöwen gerne und sie begleiten Fähren.

 

Silbermöwen haben eine vielseitige Stimme und mannigfaltige miauende, lachende und bellende Rufe. Der häufige Hauptruf erwachsener Vögel ist ein helles, gellendes „kiu“.

 Es ist ein Warn- und Alarmruf. Auch einen heulenden Schrei („hü-ä-ä-ä-ä oder „ija-a-a-a-) kann man häufig vernehmen, mit dem Silbermöwen auf Bodenfeinde losgehen.

Am liebsten brüten Silbermöwen in Dünen, auch auf Inselgrünland und auf grasbewachsenen Hängen sowie auf der Küste vorgelagerten Felsinseln und an Kiesstränden.

 Regelmäßig brüten sie in kleiner Zahl auch auf Salzwiesen und Spülflächen. In den Kolonien, in denen die Silbermöwen brüten, beträgt der Nestabstand mindestens 1, 85 m. Nur dort, wo die Vegetation Sichtbarrieren bildet, kann der Nestabstand noch geringer sein. Es sind Kolonien bekannt, in denen mehr als 30.000 Paare brüteten.

Ab Mitte April beginnt die Eiablage, gewöhnlich erst aber ab Anfang Mai. Es findet nur eine Jahresbrut statt. Geht das Gelege verloren, werden bis zu zwei Nachgelege getätigt.

Die Winterbestände der Silbermöwe aber bleiben vom Vorhandensein offener Mülldeponien abhängig. Dort wo die Mülldeponien verschwinden, wird man auch wohl bald weniger Silbermöwen zu sehen bekommen.