Tier des Monats Dezember - Das Rotkehlchen

 

Wenn  jetzt im Dezember aus einem Baum oder Strauch der Gesang eines Vogels zu hören ist, können wir uns bald sicher sein, dass ein Rotkehlchen sein Revier abgrenzt. Denn außer dem Rotkehlchen ist um diese Jahreszeit höchstens der Zaunkönig zu hören.

 

 

Da kein vielstimmiges Konzert der unterschiedlichster Vogelstimmen erklingt, nimmt man den Gesang ganz anders wahr, prägt ihn sich ein und saugt ihn förmlich in der Sehnsucht nach dem nächsten Frühling auf.

 

 

Das Rotkehlchen gehört zu den häufigsten Brutvögeln in Nord-, West- und Mitteleuropa. Mindestens fünf Millionen Brutpaare leben in Deutschland. Es kommt zwar immer wieder zu Bestandsschwankungen und besonders infolge von strengen Wintern auch zu Bestandsrückgängen, aber nach solchen Rückschlägen kann sich der Bestand innerhalb eines einzigen Jahres fast vollständig erholen.

 

 

Das Rotkehlchen ist also alles andere als eine bedrohte Art und vielerorts allgegenwärtig. Jeder, ob jung oder alt, kennt das Rotkehlchen und schätzt es, denn das kleine Vögelchen mit der orangefarbenen Brust, Kehle und Stirn (so gesehen ist der Name Rotkehlchen eine echte Untertreibung) ist besonders hübsch anzusehen.

 

 

Die großen dunklen Augen lassen es niedlich erscheinen und entsprechen dem Kindchenschema. Wehmütig und melancholisch wirkt der Gesang des Rotkehlchens auf uns Menschen und er rührt und bewegt uns. Überhaupt merkt man dem Rotkehlchen seine Verwandtschaft zu so geschätzten Sangeskünstlern wie Singdrossel und Nachtigall an, denn das Rotkehlchen gehört zur Familie der Drosseln.

 

 

Ein weiterer großer Vorzug des Rotkehlchens ist seine Zutraulichkeit. Es ist überhaupt nicht scheu, lässt sich gut und leicht beobachten und oft reicht es, ein Stückchen Garten umzugraben: schon stellt es sich ein, um in der frisch umgegrabenen Erde nach Fressbarem zu suchen. Das Rotkehlchen ist also einfach ein Sympathieträger.

 

 

Auch wenn das Rotkehlchen beinahe überall anzutreffen ist, gibt es doch einige Gebiete in Deutschland, in denen es keine Rotkehlchen (mehr) gibt. Solche Rotkehlchen-Löcher klaffen im Harz und zwar in Revieren mit großen Waldschäden. Vermutlich liegt das daran, dass Rotkehlchen ganz entscheidend auf die Struktur des Waldbodens angewiesen sind.

 

 

So ist auch für den Bruterfolg des Rotkehlchens nicht die Größe seines Reviers entscheidend, sondern die Beschaffenheit des Bodenbewuchses Der Boden darf keine zu dichte Krautvegetation aufweisen, aber auch nicht zu dicht mit trockenem Laub bedeckt sein. Rotkehlchen lieben Gärten mit Wasser und baden jeden Tag, meistens am Abend und selbst im Winter.

 

 

Neben Gärten und Parks bevorzugen Rotkehlchen Waldränder, vor allem, wenn sie in Gewässernähe etwas feucht sind. An trockenen und sonnigen Stellen sind Teiche und Gewässer für das Vorkommen der Art besonders wichtig. Hauptfeind des Rotkehlchens ist der Sperber, aber auch Wiesel und Katzen, Ratten und Mäuse, Eichelhäher und Elstern können dem häufig am Boden brütenden Vogel gefährlich werden.

 

 

Zahlreiche Rotkehlchen sterben auch in Südeuropa durch die Singvogeljagd.Interessant ist das Zugverhalten des Rotkehlchens. Bei uns gibt es Tiere, die den Winter über bei uns bleiben, aber auch welche, die im Winter fortfliegen. Die bei uns verbleibenden Vögel sind meistens Männchen, die auch kalte Winter recht gut überleben.

 

 

Sie haben es dann im Frühjahr leichter die Gunst eines Weibchens zu erringen, als die im Süden überwinternden Männchen, weil sie bereits ein ordentliches Revier gefunden haben. Das Zugverhalten der Rotkehlchen ist jedoch erblich vorfixiert. Es gibt Tiere, die unter gleichen Bedingungen im Herbst fortfliegen und solche, die bleiben.

 

 

Bisweilen nimmt das Rotkehlchen Nistkästen an, besonders dann, wenn sie niedrig hängen und durch schadhafte Stellen Licht einfällt. Es ist relativ schwierig ein Rotkehlchennest aufzuspüren, weil als Niststandort die unterschiedlichsten Plätze in Frage kommen.

 

 

Häufig legt das Rotkehlchen Bodennester an; man kann die Nester aber auch zwischen Wurzeln und unter Stämmen, sogar in Müll, in Briefkästen oder in Gießkannen finden. Häufig nistet das Rotkehlchen auch im Efeu an der Hauswand oder an Baumstämmen, in Mauernischen oder auf Balken.

 

 

Das Nest besteht aus Moos, trockenen Halmen, Stängeln oder Wurzeln. Es wird mit feinen Würzelchen und Haaren ausgepolstert. Es ist napfförmig, manchmal sind die Wände höher gezogen und selten ist das Nest sogar überdacht mit wenigen Halmen und dürrem Laub.

 

 

In den Nestern werden meist zweimal im Jahr fünf oder sechs Junge großgezogen. Mehr als die Hälften aller Bruten gelingt, zu einer Überpopulation kommt es aber allein schon deshalb nicht, weil Rotkehlchen im Durchschnitt nur etwa ein Jahr alt werden.