Tier des Monats Dezember 2005 - Der Mäusebussard

 

Im Frühjahr und Sommer ist er ja noch  recht unauffällig, aber im Winterhalbjahr fällt er selbst dem unaufmerksamsten Beobachter auf.

 

 

Im Herbst kreist er ausgiebig am Himmel und lässt dabei ein klägliches „Miauen“ erklingen, als ob er noch einmal Frühlingsgefühle verspüre und im anbrechenden Winter ist er beinahe allgegenwärtig: Jetzt sitzt der Mäusebussard auf Weidepfählen, Telefon- und Strommasten, auf Pfosten und  Zäunen, auf Verkehrsschildern und Bäumen oder einfach nur auf Maulwurfshaufen in der Wiese.

 

 

Man kann ihn kaum übersehen! Wie sein Name schon sagt, lebt er beinahe ausschließlich von Mäusen. Gegenden, in denen er im Winter keine Mäuse findet, verlässt er.

 

 

Aus höheren Lagen flüchtet er in Talauen; unwirtliche, schneereiche und kalte Landstriche werden im Winter bussardfrei und gegen wintermilde schneearme Regionen eingetauscht.

 

 

 

Hier bei uns im westlichen Westfalen und am angrenzenden Niederrhein findet der Greifvogel

beinahe ideale winterliche Bedingungen vor. Schnee ist die Ausnahme und wenn er dann doch einmal fällt wie jetzt im November, ist er schneller wieder  weg geschmolzen als man es sich vorstellen konnte.

 

 

In unserer Feldflur ist der Mäusebussard zur Zeit eine wirklich gewöhnliche Erscheinung. Auf größeren Wiesen und Äckern kann man manchmal ein halbes Dutzend von ihnen erblicken.

 

 

 Möglich, dass der ein oder andere Bussard auch ein Raufußbussard ist. Der sieht dem Mäusebussard zwar zum Verwechseln ähnlich, ist aber andererseits zumindest im Flug leicht an der dunklen Endbinde am Schwanz zu erkennen. Gern rüttelt der Raufußbussard, aber das machen bisweilen auch Mäusebussarde.

 

 

 Und es können recht viele Raufußbussarde bei uns im Winter verweilen, manchmal gibt es regelrechte Invasionen. Genauer hinsehen kann sich also auch besonders lohnen!

 

 

Mäusebussarde gibt es in den unterschiedlichsten Farbtypen, fast schwarze Vögel kommen ebenso vor wie fast weiße oder reine braune. Mir fällt aber immer wieder auf, dass im Winter mehr fast reinweiße Vögel bei uns sind als im weiteren Jahresverlauf. Den weißen Farbtyp scheint es im Norden häufiger zu geben als bei uns.

 

 

Da die nördlichen Bussarde bei uns überwintern, sieht man im Winter dann auch mehr helle Vögel.

Auf rund 70.000 Brutpaare wird der Mäusebussard-Bestand in Deutschland geschätzt.

 

 

Damit ist der Mäusebussard wohl der häufigste Greifvogel-Mitteleuropas, aber er ist andererseits bei Weitem nicht so häufig wie man dem Augenschein nach bei uns vermuten könnte.

 

 

Von Zeit zu Zeit sieht man ganze Ansammlungen von Bussarden an größeren Nahrungsquellen. Auch Aas wird nämlich gern genommen. Ein totes Reh, dass nach einer Kollision mit einem Auto nur noch bis zur nächsten Wiese kam, ist gleich von fast einem Dutzend Bussarden belegt.

 

 

Untereinander sind sich die Greifvögel gar nicht wohl gesonnen, sie fechten erbittert gegeneinander und setzen dabei auch ihre krallenbewährten Fänge ein. Richtige Zweikämpfe bekommt man zu sehen, bei denen manchmal sogar einer der Kämpfer in Rückenlage gerät.

 

 

Doch zu schlimmeren Verletzungen kommt es nur sehr selten.

Auch tote Hasen oder Fasane sind natürlich ein Festschmaus für die Vögel, doch keineswegs sind sie in der Lage, diese selbst zu überwältigen und zu töten, wenn sie noch im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.

 

 

Attacken auf Tauben, Rebhühner oder Hasen schiebt man zwar dem Mäusebussard allzu gern in die Schuhe, doch diese gehen immer auf das Konto anderer, wesentlich geschickterer und gewandterer Greife, vor allem auf das Konto des Habichts.

 

 

Der Mäusebussard bleibt lieber bei seinen Mäusen und eben auch beim Aas. Das wissen auch Kleinvögel nur zu gut. Sie werden keineswegs unruhig oder panisch, wenn ein Bussard auf einem Pfahl sitzt oder am Himmel kreist, aber wehe, ein Sperber oder Habicht taucht auf!

 

 

Auch Tauben bleiben einfach sitzen, wenn sich der Bussard denselben Baum zum Sitzplatz gewählt hat wie sie.

Dem Menschen gegenüber sind die meisten Bussarde sehr scheu und misstrauisch- bevor man das ein oder andere Foto im Kasten hat, muss man sich einiges einfallen lassen oder Glück haben mit einem Bussard, der noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht hat.